Wird Kosova e Re jemals gebaut? Außer einem Eintrag auf Google Maps ist von dem Kraftwerk bisher nichts zu sehen. Ursprünglich war ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 2000 Megawatt geplant, das Kosovo zum größten Stromexporteur der Region gemacht hätte. Firmen wie RWE und EnBW oder der italienische Stromversorger Enel waren an dem Bau interessiert. Dann kamen die Finanzkrise, Bedenken und starke Kritik im Inland. Das Projekt wurde auf 600 Megawatt heruntergeschraubt. RWE und EnBW zogen sich zurück, ebenso Enel. Heute sind nur noch wenig bekannte Investoren im Rennen: Sithe Global aus den USA im Konsortium mit PPC aus Griechenland; das amerikanische Unternehmen ContourGlobal und die türkische Park Holding. Die Namen der Interessenten wechseln aber häufig.
Die Gesamtkosten des Projekts, das auch die Grundsanierung von Kosovo B und die Erweiterung eines Tagebaus vorsieht, werden zwischen einer und zwei Milliarden Dollar geschätzt.
Das neue Kraftwerk soll eine Laufzeit von mindestens vierzig Jahren haben und direkt neben Kosovo B gebaut werden. Es soll zwei Blöcken à 300 Megawatt haben. Zum Vergleich: Kosovo A hat fünf Blöcke (von denen nur drei im Betrieb sind) und eine Nettoleistung von rund 350 MW, weit unter der installierten Leistung von 800 MW; Kosovo B besteht aus zwei Blöcken mit einer installierten Leistung von 678 MW; die Nettoleistung liegt bei 500 MW.
Kosovo A und Kosovo B stoßen jedes Jahr rund 5,8 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Bauphase des neuen Kraftwerks werde bis Ende nächsten Jahres beginnen, versichert der Projektmanager Liridon Mavriqi im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung. Kosovarische NGOs zeigen sich skeptisch. „Ich habe meine Zweifeln, dass es gebaut wird. Wir befürchten, dass Kosovo A weitere 15 bis 20 Jahre laufen wird“, sagt Agron Demi, Leiter der kosovarischen Denkfabrik GAP (Institute for Advanced Studies).